
Während der Schmerz über den Verlust eines Kindes
oder Geschwisters für Außenstehende noch nachvollziehbar
ist, wird die Trauer von anderen Angehörigen wie
Großeltern oder Tanten und Onkel oft gar nicht
wahrgenommen. Aber auch diese hatten eine nahe, innige
Beziehung zu den verstorbenen Kindern.
Sie freuten sich mit über ihre Geburt und haben sie auf
ihrem Weg begleitet. Für Großeltern wird die
Generationenfolge jäh zerstört. Oft sind sie selbst schon alt
und deshalb dem Tode viel näher. Für viele Großeltern sind ihre Enkel
sehr wichtig, sie sehen in ihnen ihre eigenen Kinder
und die damit verbundene Lebensgeschichte. Häufig
haben sie mehr Zeit für ihre Enkel, als sie für die eigenen Kinder
hatten und nicht selten findet hier ein Stück
Wiedergutmachung an Versäumtem statt.
Aber auch die Geschwister der trauernden Eltern haben
einen Verlust erlitten. Onkel und Tanten übernehmen oft
die Funktion von Patenschaften in Familien, das bedeutet
sie übernehmen damit Verantwortung für die Kinder
ihrer Geschwister. Die Beziehung zwischen diesen
Verwandten und den Kindern ist häufig eng, gerade weil sie, genau wie die
Großeltern, nicht in der Rolle der Erzieher sind. Dadurch
kann mit ihnen über Themen gesprochen werden, die mit
den Eltern vielleicht problematisch sind.
Durch die
vertrauensvolle Beziehung mit den Verwandten kann die
Auseinandersetzung sozusagen eingeübt werden. Auch wenn
die verstorbenen Kinder noch zu klein für solche
Lebensabschnitte waren, trauern ihre Angehörigen auch um
diese gemeinsame Zukunftsperspektive. Genauso wie um
gemeinsame Aktivitäten, Dinge, die sie sich vorgenommen
hatten mit den Kindern zu machen, ihnen vielleicht
beizubringen und zu zeigen. Kurzum: Sie trauern um ein Stück
gemeinsame Zukunft.
Beim Tod eines Kindes sitzen die Angehörigen wie „zwischen zwei Stühlen“: Zum einen trauern sie selbst, zum einen glauben sie, die „direkt Betroffenen“ trösten zu müssen. Da sie meist den trauernden Eltern emotional aufgrund der Familienbande sehr nahe stehen, erleben sie die Verzweiflung ihrer eigenen Kinder bzw. Geschwister sehr unmittelbar und erleben sich umso hilfloser. Auch wenn sie vor Freunden und Bekannten vom Tod des Kindes berichten fühlen sie sich nicht wirklich ernst genommen, schließlich sind sie nicht die Eltern. Sie erleben den Verlust aus einer anderen Perspektive als die Eltern. Sie stehen in ihrer Trauer zurück und erlauben sich nicht zu trauern und nehmen sich in ihrer eigenen Trauerbewältigung nicht so wichtig. Wie immer bei unbewältigter Trauer kann dies physische, soziale und psychische Auswirkungen haben.
Das heißt: auch Angehörige brauchen ihren eigenen Raum zum Trauern. Dies ist in einigen Internet-Foren möglich. Gesprächsangebote fehlen in der Regel. Hier wäre es nötig, über entsprechende Angebote nachzudenken und solche einzurichten.
Annette Meier-Braun, Dipl.-Psychologin