Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Trauernde Eltern - 1

Immer wieder werden wir mit dem Tod von Kindern konfrontiert – in der Zeitung, im Fernsehen, gerade in letzter Zeit wird von schrecklichen Schicksalen berichtet. Aber auch in der Nachbarschaft, im eigenen Freundes- oder Bekanntenkreis werden wir damit konfrontiert. Trotzdem gehen wir irgendwie immer davon aus, dass uns dieses Schicksal nicht trifft. Trotzdem wird der Tod eines Kindes Wirklichkeit immer wieder und überall.

Dazu muss man wissen:

Jede vierte bis fünfte Schwangerschaft endet in Fehlgeburt. Ca. jedes 133. Baby wird entweder tot geboren oder überlebt den ersten Lebensmonat nicht.

Über 20.000 Kinder und Jugendliche sterben jedes Jahr allein in Deutschland: Kinder sterben an Krankheiten, an Unfällen, an Suizid. Manchmal kommt der Tod ganz plötzlich, manchmal ist er absehbar. Es sterben Kinder noch im Mutterleib, als Babys, als kleine Kinder, schon große und erwachsene Kinder sterben. Es gibt keine Sicherheit und keinen Schutz dagegen.

Das alte vertraute Leben mit allen Zukunftsplänen, Hoffnungen, Wünschen und mit unserem Glück endet zunächst mit dem Tod des Kindes. Besonders für Eltern, deren Kind durch Fehl- oder Totgeburt gestorben ist, sterben Träume, Hoffnungen und Zukunftspläne. Es gibt keine gemeinsame Zeit, über die gesprochen werden kann und keine gemeinsamen Erinnerungen, die bewahrt werden können. Obwohl besonders bei der Mutter längst eine Bindung, eine Liebesbeziehung entstanden ist, wird es kein Kennenlernen mehr geben.

Meist trifft besonders diese Eltern der Tod, der Verlust ihres Kindes völlig unvorbereitet, sozusagen „aus heiterem Himmel“. Denn wir leben in einer Gesellschaft, in der uns nicht zuletzt seitens der Medizin vermittelt wird, dass wir alles im Griff haben, es für alles ein Mittel, eine Lösung gibt. Die Tatsache, dass der Bauch noch nicht sichtbar war, niemand das Baby kannte, und es keine Erinnerungen gibt, die mit anderen geteilt werden können, führen dazu, dass es als nicht „wirklich“ angesehen wird, dass unsere Gesellschaft solch einen Verlust also abwertet und tabuisiert. Für Betroffene ist es dann sehr schwer, zu ihrer Trauer zu stehen.

Hat ein Kind gelebt, hatte es eine Persönlichkeit, einen Namen, einen Platz in der Familie, einen Platz im Lebensentwurf der Eltern.

Früher war der Tod normaler Teil des Lebens, das Totenhemd gehörte zur Aussteuer, es gab Rituale, den Leichenschmaus, das Trauerjahr, das Tragen von schwarzer Kleidung usw. … Die Verdrängung des Todes aus unserem Bewusstsein führt heute dazu, dass betroffene Eltern kaum Orientierung haben, wie sie sich verhalten sollen, damit sie diese Erfahrung bewältigen können. Es fällt schwer, mit solchen starken und tiefen Gefühlen, die ja durchaus existentiellen Charakter haben, umzugehen.

Trauern ist ein psychischer Prozess, der von Freud den Terminus „Trauerarbeit“ sicher nicht zufällig erhielt. Auch wenn manche diesen Begriff ablehnen: ich finde, es ist Schwerstarbeit für den Betroffenen.
Der Weg durch die Trauer führt mitten durch sie hindurch. Trauer ist etwas, das durchlitten werden muss und mit tiefem Schmerz verbunden ist. Trauer wird nur leichter durch trauern. Aber nur so ist ein Weiterleben, ein Überleben und eine Heilung möglich.

weiter