
Was ist Trauer?
Im folgenden möchte ich etwas ausführlicher auf das Wesen der Trauer eingehen. Es gibt viele Fragen dazu:
Wie reagieren Menschen bei einem
schweren Verlust,
welche Verhaltensweisen und welche Symptome gibt es?
Wie verläuft Trauer und wann ist sie beendet?
Gibt es krankhafte Trauer und macht Trauer krank?
Gibt es pathologische Trauer, (gibt es Risikofaktoren?)
Menschliche Trauer ist ein notwendiger
und normaler psychischer Prozess, eine menschliche
Fähigkeit. Ein Gefühl wie Freude oder auch Angst.
„Trauer tritt dann auf, wenn sie gebraucht wird“
sagt K. Lammer, nämlich wenn es notwendig ist, einen
schweren Verlust zu bewältigen. „Sie ist keine
Krankheit, keine Katastrophe, keine Fehlfunktion und
kein Zeichen von psychischer und charakterlicher
Schwäche, sondern eine normale, gesunde und
psychohygienisch notwendige Reaktion der Verarbeitung
von einschneidenden Verlusten und Veränderungen“
sagt Kerstin Lammer.
Sie ist „ Ausdruck der Liebe zum Verstorbenen“
wie R. Kachler sagt. Auf der realen Ebene geht es
natürlich darum Abschied zu nehmen. Um den Verlust zu
realisieren und zu akzeptieren ist dies auch notwendig.
Aber für den Trauernden geht es eigentlich darum, eine
neue innere Beziehung zum Verstorbenen zu finden, diesen
Verlust in sein Leben zu integrieren, denn die Liebe
bleibt ja, auch wenn sie sich verändert. D.h. eigentlich
hat sie eine positive Funktion.
Die Trauer jedes Menschen ist so
einzigartig wie er selbst. Sie kann individuell sehr
unterschiedlich erlebt werden und unterschiedlich lange
dauern. Der Betroffene kann auf allen Ebenen seiner
Persönlichkeit tief greifende Veränderungen erleben:
körperlich, psychisch und auf der Verhaltensebene.
Psychisch erlebt er Schmerz, Angst, Wut, Aggressivität,
Reizbarkeit, Verzweiflung, depressive Verstimmung,
Schuldgefühle, Versagensgefühle, Traurigkeit,
Einsamkeit, Verzweiflung, Bitterkeit, Ruhelosigkeit,
Angstgefühle. Aber auch Liebe, ausgedrückt durch
Sehnsucht ist ein starkes Gefühl. Körperlich kann es zu
ausgeprägten psychosomatischen Beschwerden kommen:
Bluthochdruck, Herzbeschwerden, Magen und
Darmbeschwerden, Atemwegsbeschwerden, Rücken -und
Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Essstörungen, sexuelle
Störungen, Infekte, Müdigkeit.
Auf der Verhaltensebene kann es zu Verwahrlosung,
Rückzug aus der Erwerbstätigkeit, von Familie und
Freunden, Teilnahmslosigkeit, Ruhelosigkeit kommen.
Pathologische Veränderungen wie intensive
Suizidgedanken, Alkohol, -Medikamenten- oder
Drogenkonsum und chronische Depressionen treten
ebenfalls auf und erfordern eine psychotherapeutische
Behandlung.