Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Trauernde Eltern 2

Was ist Trauer?

Im folgenden möchte ich etwas ausführlicher auf das Wesen der Trauer eingehen. Es gibt viele Fragen dazu:

Wie reagieren Menschen bei einem schweren Verlust,
welche Verhaltensweisen und welche Symptome gibt es?
Wie verläuft Trauer und wann ist sie beendet?
Gibt es krankhafte Trauer und macht Trauer krank?
Gibt es pathologische Trauer, (gibt es Risikofaktoren?)

Menschliche Trauer ist ein notwendiger und normaler psychischer Prozess, eine menschliche Fähigkeit. Ein Gefühl wie Freude oder auch Angst. „Trauer tritt dann auf, wenn sie gebraucht wird“ sagt K. Lammer, nämlich wenn es notwendig ist, einen schweren Verlust zu bewältigen. „Sie ist keine Krankheit, keine Katastrophe, keine Fehlfunktion und kein Zeichen von psychischer und charakterlicher Schwäche, sondern eine normale, gesunde und psychohygienisch notwendige Reaktion der Verarbeitung von einschneidenden Verlusten und Veränderungen“ sagt Kerstin Lammer.
Sie ist „ Ausdruck der Liebe zum Verstorbenen“ wie R. Kachler sagt. Auf der realen Ebene geht es natürlich darum Abschied zu nehmen. Um den Verlust zu realisieren und zu akzeptieren ist dies auch notwendig. Aber für den Trauernden geht es eigentlich darum, eine neue innere Beziehung zum Verstorbenen zu finden, diesen Verlust in sein Leben zu integrieren, denn die Liebe bleibt ja, auch wenn sie sich verändert. D.h. eigentlich hat sie eine positive Funktion.

Die Trauer jedes Menschen ist so einzigartig wie er selbst. Sie kann individuell sehr unterschiedlich erlebt werden und unterschiedlich lange dauern. Der Betroffene kann auf allen Ebenen seiner Persönlichkeit tief greifende Veränderungen erleben: körperlich, psychisch und auf der Verhaltensebene. Psychisch erlebt er Schmerz, Angst, Wut, Aggressivität, Reizbarkeit, Verzweiflung, depressive Verstimmung, Schuldgefühle, Versagensgefühle, Traurigkeit, Einsamkeit, Verzweiflung, Bitterkeit, Ruhelosigkeit, Angstgefühle. Aber auch Liebe, ausgedrückt durch Sehnsucht ist ein starkes Gefühl. Körperlich kann es zu ausgeprägten psychosomatischen Beschwerden kommen: Bluthochdruck, Herzbeschwerden, Magen und Darmbeschwerden, Atemwegsbeschwerden, Rücken -und Kopfschmerzen, Schlafstörungen, Essstörungen, sexuelle Störungen, Infekte, Müdigkeit.
Auf der Verhaltensebene kann es zu Verwahrlosung, Rückzug aus der Erwerbstätigkeit, von Familie und Freunden, Teilnahmslosigkeit, Ruhelosigkeit kommen.
Pathologische Veränderungen wie intensive Suizidgedanken, Alkohol-, Medikamenten- oder Drogenkonsum und chronische Depressionen treten ebenfalls auf und erfordern eine psychotherapeutische Behandlung.

weiter