Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Trauernde Eltern 3

In diesem Zusammenhang taucht oft die Frage nach sog. „normaler“ und „pathologischer“ Trauer auf. Statt „pathologisch“ finde ich „kompliziert" oder „ungewöhnlich" wesentlich angemessener. Eine gewisse Subjektivität des Beurteilenden spielt ebenfalls eine Rolle. Anka Wiese meint dazu: „… dass anormale Reaktionen auf anormale Ereignisse normal sind.“ Auch gibt es aus heutiger Sicht keine Definition von normaler Trauer.
Auch besonders intensives Trauern muss nicht pathologisch sein, im Gegenteil, wir wissen heute, dass gerade das Nicht-Trauern zu körperlichen und psychischen Störungen führen kann. Wird die Trauer nicht gelebt und der Prozess unterdrückt, können Menschen dauerhaft krank werden.

Auch kann man nicht sagen, dass das Auftreten von Krankheiten ein Zeichen pathologischer Trauer ist, da die erhöhte Krankheitsanfälligkeit zu den häufigsten Trauersymptomen gehört.

Es ist fraglich, ob es sinnvoll ist, zwischen normaler und pathologischer Trauer zu unterscheiden. Ein Beispiel dafür ist das Gefühl „nicht weiter zu kommen“, sozusagen festzustecken in der Trauer. Dabei kann es sich durchaus um ein Zeichen für einen erschwerten Verlauf der Trauer handeln und bei Einzelnen sehr ausgeprägt sein, muss deshalb aber nicht pathologisch sein.

Hier gilt es genau hinzuschauen, ob der Betroffene tatsächlich nicht weiter kommt. Auch kleine Veränderungen sind welche, werden aber oft gar nicht als solche wahrgenommen. („Immerhin kannst du wieder morgens Zeitung lesen ...“)
Die Grenzen können durchaus fließend sein.

Trauer kann krank machen, aber sie ist keinesfalls eine Krankheit. Aber es besteht ein deutlich erhöhtes Erkrankungsrisiko, da ein schwerer Verlust belastend ist und viel Energie braucht. Risikofaktoren, die Trauerprozesse erschweren, sind wie bereits genannt die Unterdrückung, Vermeidung und Verzögerung der Trauer.
Oft wirken gerade solche Menschen sehr gefasst und erwecken den Eindruck ganz gut damit klar zu kommen. Auch besonders tragische Todesumstände - gilt für Kinder eigentlich immer! -, kein unterstützendes soziales Umfeld, fehlende persönliche Ressourcen (psychische, physische Gesundheit, Reflexionsfähigkeit, etc.) sind Risiken.

Die große Unterschiedlichkeit zu trauern, kann deshalb natürlich auch zu Konflikten in der Partnerschaft führen. In Partnerschaften sind die Folgen oft besonders dramatisch. Da in einer Beziehung jeder Partner anders trauert, gehen viele Partnerschaften in die Brüche. Es ist ganz schwer, diese großen Unterschiede auszuhalten und zu akzeptieren. Deshalb gilt die Vermutung, die Beziehung war auch vorher nicht mehr „in Ordnung“ so nicht. Natürlich gibt es auch Paare, die sich in ihrer Trauer näher kommen und ihre Beziehung neu definieren.

Trauer dauert oft länger als vermutet. Menschen heilen in ihrem eigenen Tempo und entsprechend ihrer Persönlichkeit.

Trauer hat ihre eigene Dynamik, sie ist ein Prozess, der immer die Integration ins Leben zum Ziel hat und nie das Ende der Trauer.

Trauer hört nie auf. Sie verändert sich, aber sie bleibt. Niemand ist kompetenter für den Weg durch die Trauer als der Trauernde selbst.

Theorien zum Ablauf der Trauer