Modelle und Theorien zum Ablauf der Trauer

In der Trauerforschung und der Suche nach Erklärungsmodellen hat sich in den letzten Jahren doch viel bewegt und entwickelt. Das liegt unter anderem daran, dass es mehr Öffentlichkeit zu den Themen wie Sterbebegleitung, Hospize, aber auch zum Thema Tod von Kindern gibt.

In den sechziger Jahren machte Elisabeth Kübler-Ross Sterben, Tod und Trauer zum öffentlichen Thema und wurde damit sehr bekannt. Viele bekannte Autoren (vor und nach ihr) wie S. Freud, C.G. Jung, M. Klein, E. Lindemann, J. Bowlby und V. Kast beschäftigten sich mit dem Trauerprozess. Sie haben dafür gesorgt, dass trauernden Menschen wieder Aufmerksamkeit und Interesse in unserer Gesellschaft entgegengebracht wurde und der Tod ent-tabuisiert wurde.
Viele ihrer Annahmen sind heute von der neueren Forschung überholt und erweitert. Das gilt für alle Aspekte der Trauer wie Symptome, Dauer, Risiken und den Verlauf. Trotzdem kann es hilfreich sein, Kenntnisse über Trauerphasen zu haben, um die Gefühle und Erfahrungen Trauernder besser zu verstehen.

Diese Modelle können deshalb sowohl für Betroffene als auch für Helfende eine Orientierungshilfe sein. Quasi wie eine ungefähre Landkarte, die anzeigt, wo sich der Trauernde gerade auf seiner Trauerreise befindet. Solch eine Einordnung des Erlebten kann durchaus entlastend sein. Wichtig ist an diesen Modellen zum einen, dass sie den Prozesscharakter der Trauer verdeutlichen. Zum anderen, dass auch negative Trauergefühle wie Zorn, Aggression als „normal“ und vorübergehend angesehen werden.
Kritisch an der Verwendung dieser Modelle ist, dass Menschen, die mit Trauernden zu tun haben, egal ob Freunde, Kollegen, Ärzte u. Therapeuten das Modell gebrauchen, um sich daran festzuhalten und um danach zu bewerten und zu handeln. D.h. sie scheinen die Fachleute zu sein und nicht der Trauernde selbst.

Ich halte es aber bei der Begleitung von Trauernden für ganz wichtig, sich frei zu machen von eigenen Vorstellungen, was richtig oder falsch ist, welche Phase gerade dran ist oder nicht. Der Einzelne wird sonst nicht in seiner Individualität und Befindlichkeit wahrgenommen. Seine Trauer erscheint ganz schnell nicht mehr normal, sondern pathologisch.

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