Arbeitskreis trauernde Eltern und Geschwister

in Baden-Württemberg

Modelle und Theorien zum Ablauf der Trauer - 1

Trotzdem möchte ich ein sehr bekanntes und die Trauerpsychologie prägendes  Phasenmodell von Verena Kast vorstellen. Hier werden die Trauerreaktionen in Phasen aufgeteilt, die nacheinander durchlebt werden. Der Weg durch die Trauer wird somit vorgezeichnet.

In diesem Modell verläuft Trauer in vier Phasen:

In der ersten Phase (Phase des Nicht-wahrhaben-Wollens), die Stunden, Tage, sogar Wochen dauern kann, herrscht Schock und Betäubung. Betroffene sind oft benommen und empfindungslos, sie wollen den Verlust nicht wahrhaben und wirken sehr beherrscht. Trauernde sind unter dem Schock oft völlig erstarrt und wirken sehr gefasst. Andere Betroffene dagegen reagieren mit Gefühlsausbrüchen der Panik und Verzweiflung. Die schreckliche Realität wird verdrängt und verleugnet. Es fällt schwer, Entscheidungen zu treffen oder „man funktioniert“, und lebt „wie in einem Vakuum“.

Es folgt die zweite Phase (Phase der aufbrechenden Emotionen), die vier, sechs Monate oder noch länger dauert. Klingt der Schockzustand ab, folgten starke Gefühle wie Schmerz, Verzweiflung, Traurigkeit, Wut, Einsamkeit, Schuldgefühle, Sehnsucht. Aber auch Liebe, ausgedrückt durch Sehnsucht nach dem was hätte sein können und die Suche nach dem Warum. Solche Gefühle lassen den geliebten Toten noch irgendwie anwesend erscheinen. Es gibt keine Ablenkung von diesem Verlust. Deshalb wird viel und oft über das Kind gesprochen, dadurch bleibt noch eine Bindung zu dem Kind. Dieses Gefühlschaos muss durch -und ausgehalten werden.  

In der dritten Phase (Phase des Suchens und Sich-Trennens), die allmählich nach dem ersten Todestag abklingt, holt den Trauernden die Realität ein. Die Trauer selbst wird auf einer tieferen Ebene verarbeitet, sie beansprucht nicht mehr alle Gedanken und Gefühle, der Tote wird zur „inneren Figur“. Der Alltag erscheint fremd, es fällt schwer, sich in der gewohnten Welt zurechtzufinden. Bisher gültige Werte werden in Frage gestellt, es geht um die Suche nach neuem Sinn. Oft sind die Betroffenen körperlich sehr erschöpft oder krank und ziehen sich zurück. Das alte Leben stimmt nicht mehr, in einem neuen hat man sich noch nicht eingerichtet. Auch wenn der Verlust akzeptiert wird, gibt es immer wieder Rückfälle in die vorherigen Phasen. Der Trauernde verändert sich.

Die vierte Phase (Phase des neuen Selbst –und Weltbezugs) zeichnet sich durch Erneuerung und Neuorientierung aus und wird im zweiten Jahr zentral. Der Verlust wird zunehmend ins Leben integriert. Neue Energie, neue Hoffnung, neue Aufgaben, der Wunsch das Leben aktiv in die Hand zu nehmen sind jetzt möglich. Eine Einschätzung, wie der Verlust das Leben verändert hat und eine neue Sinnfindung finden statt.


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