Modelle und Theorien zum Ablauf der Trauer - 3
William Worden war der erste, der ein solches
Aufgabenmodell der Trauer entwickelt hat. Er
unterscheidet vier Aufgaben der Trauerarbeit:
- Die Realität des Verlustes (an)erkennen
- Den Schmerz der Trauer durcharbeiten
- Sich in einer Wirklichkeit zurechtfinden, in der
der/die Verstorbene fehlt
- Dem/der Verstorbenen einen neuen Platz geben und sich
dem Leben wieder zuwenden.
Daraus ergeben sich für ihn die Aufgaben der
Trauerbegleitung:
- Die Realität des Verlustes verdeutlichen.
- Trauernden helfen, ausgedrückte und latente Affekte
zu bearbeiten
- Trauernden helfen, Hindernisse der Wiederanpassung zu
überwinden.
- Trauernde ermutigen, sich angemessen zu verabschieden
und sich guten Gewissens wieder dem Leben zuwenden.
Autoren wie H. Lothrop und K. Lammer entwickelten
eigene aktuelle Modelle, die ich zusammenfassend kurz
darstelle. Für den Trauernden bedeutet das:
- Zunächst die Wirklichkeit des Verlustes
anzuerkennen und anzunehmen. Den Tod zu begreifen im
wahrsten Sinn des Wortes ist die erste Aufgabe
Trauernder und Voraussetzung für alle weiteren Schritte,
um den Verlust zu bewältigen. Das bedeutet ganz
körperlich, den Toten zu sehen, sich physisch zu
verabschieden. Den Tod aussprechen: „er ist tot“, und
nicht: „er ist von uns gegangen“. Dabei können die
Trauerbegleiter den Betroffenen unterstützen. Auch
gemeinsam Rituale zu planen ist hilfreich. Um den Verlust zu
verarbeiten, muss Abschied genommen werden.
- Den Schmerz des Verlustes und andere starke
Gefühle zulassen. Reaktionen Raum geben, d.h. der
Trauernde braucht die Möglichkeit und die Zeit, um
seiner Trauer Ausdruck zu verleihen. Wichtig ist, dass
weder der Trauernde noch der Begleitende Erwartungen
darüber hat, wie man richtig trauert. Menschliche Nähe,
eigene Gefühle zu zeigen sind Teil der Trauerbegleitung.
Sich erinnern und erzählen: hier geht es um die
Rekonstruktion der gemeinsamen Lebensgeschichte, die
sehr wichtig für die Trauerarbeit ist. Es kann nicht
darum gehen das Fühlen des Schmerz zu verhindern, oder
davon abzulenken, denn das verursacht größeren Schmerz
zu einem späteren Zeitpunkt.
- Um die eigene Identität neu zu definieren, müssen
innere Ressourcen entdeckt und benutzt werden. Auch
gilt es, persönliche Risiken einzuschätzen. Diese
Selbsthilfe kann der Trauerbegleiter unterstützen.
Eigene Antworten und neue Orientierungen ermöglichen
es dem Trauernden in einer als fremd erlebten Welt
ohne den Toten zurechtzukommen und sich (wieder) zu
integrieren.
- Sich einem Leben ohne den Verstorbenen stellen.
Sich dem neuen, veränderten Leben wieder zuwenden und
dem Toten in diesem einen neuen anderen Platz geben.
Einen Sinn im weiteren Leben zu sehen und offen zu sein
für neue Aufgaben und Bindungen.
Während der Trauernde aus Sicht der Phasenmodelle
seiner Trauer ausgeliefert ist, übernimmt er aus Sicht
der Aufgabenmodelle die Regie, auch wenn er noch nicht
weiß, wie das Ziel und das Ergebnis aussehen werden.
Was das hier Beschriebene über die Situation
trauernder Eltern und über Erklärungsmodelle konkret für
den Umgang mit Betroffenen bedeutet lesen Sie im
Kapitel: Umgang
mit trauernden Eltern.
Quellen:
Verena Kast: Trauern, Kreuz Verlag
Kerstin Lammer: Trauer verstehen, Neukirchener
Verlagshaus
Hannah Lothrop: Gute Hoffnung - jähes Ende, Kösel Verlag
Ursula Goldmann-Posch: Wenn Mütter trauern, Knaur Verlag
Anja Wiese: Um Kinder trauern, GTB
Roland Kachler: Meine Trauer wird dich finden, Kreuz
Verlag
ATEG-BW e.V. - Bergheimer Weg 14 - 70839 Gerlingen