
Auch Fachkräfte können in bester Absicht inadäquat
reagieren: nach wie vor passiert es, dass Eltern ihr
totes Kind nicht zu sehen bekommen. Dies geschieht mit
dem Argument, die Eltern schonen zu wollen. Unabhängig ob es vor der Geburt,
an einem Unfall oder auf andere Weise starb, ist das
Sehen des toten Kindes für einen heilenden Trauerprozess
notwendig und wichtig.
Man muss sich immer wieder klar machen, dass etwas UNVORSTELLBARES geschehen ist: es geht nicht darum, ob das gestorbene Kind nicht mehr schön aussieht. Zahlreiche Erzählungen von Eltern machen mir dies immer wieder deutlich: Im Moment des akuten Schmerzes spielt das keine Rolle, sondern es geht darum zu begreifen, dass das eigene Kind tot ist, darum die Wirklichkeit des Verlustes zu begreifen! Oft erzählten sie Jahre später, dass sie da erst den Zustand ihres Kindes, wie es aussah, ob es verstümmelt war oder Wunden hatte, wahrnehmen konnten.
Auch viele therapeutisch arbeitende Personen tun sich im Umgang mit Trauernden schwer. Sie bieten Lösungen und gute Ratschläge und haben dabei eindeutige Symptombilder, die in Trauerphasen unterteilt sind im Kopf. Ein gutes Beispiel dafür ist dann die Aufforderung: „Du musst loslassen. Sonst kannst du nicht vernünftig weiterleben“. (Das vermittelt den Eindruck, der Trauernde muss nur wollen und dann funktioniert das.) Wenn sie selbst nicht fest-halten müssen an starren Phasenmodellen, sondern los-lassen können, dann sind sie vielleicht auch fähig dem Trauernden sein Los zu lassen und ihn auf seinem individuellen Weg zu begleiten.
Es geht nicht um richtiges oder falsches Trauern. Es geht darum, was hilft um weiterzuleben. Der Trauernde bestimmt seinen Weg durch die Trauer, auch wenn er noch nicht weiß, wo dieser ihn hinführt. Es gibt für Trauer keine Vorgaben über das Ausmaß und die Dauer.