
Nach dem Tod
beginnt ein langer und schwerer Weg durch die Trauer.
Der einzige Weg, wirklich über die Trauer
hinwegzukommen, führt mitten durch sie hindurch. Und wie
bereits gesagt, ist die Trauer um ein verstorbenes Kind
kein Prozess, der beendet wird. Vielmehr handelt es sich
um einen ständigen, sich verändernden Prozess, auf den
der Wortsinn procedere – voranschreiten ja auch
hinweist.
Am Anfang des Prozesses steht sozusagen öffentlich die
Tragödie des Todes. Viel Kraft und Energie wird
gebraucht den Verlust und damit den Tod zu realisieren,
überhaupt den Alltag irgendwie zu bewältigen. Danach
findet die Trauer innerpsychisch und für die Umwelt
nicht sichtbar statt. Trauer erfasst den gesamten
Menschen, physisch und psychisch. Er ist mit sich selbst
beschäftigt, seinen Fragen nach Lebens-Sinn und daraus
folgenden Veränderungen und Wandlungen.
Die Frage an
Eltern: „Wie lange dauert eure Trauer?“ ist somit völlig
überflüssig, denn:
Eltern, denen es im Laufe ihres Trauerprozesses gelingt,
ihrem toten Kind einen bleibenden Platz in ihrem Leben
zu geben, werden mit ihrer Trauer leben lernen. Der
Satz: „Sie ist nicht einfach weg, sondern sie ist anders
da.“ macht das deutlich. Das bedeutet, dass das tote
Kind einen neuen, anderen Platz in der Familie erhält.
Trauer hilft, eine neue Beziehung zum verstorbenen Kind
zu finden. Es geht also nicht nur darum Abschied zu
nehmen, sondern darum mit dem Verlust weiterzuleben.
Menschen, die Trauernde begleiten, in welcher Form
auch immer, sollten sich, was ihre Erwartungen und ihre
Haltung angeht, darüber im Klaren sein, dass es für die
Betroffenen keinen Trost gibt. Der Schmerz über den
Verlust kann nicht gemindert werden, er kann nur mit
ausgehalten werden.
Trauerbegleitung ist individuell immer verschieden, weil
jeder Mensch verschieden ist und somit individuell
trauert. Und: Trauerbegleitung ist wichtig – je früher,
desto besser.